Marken-Bang statt Feature-Inflation

Beim Blick auf ältere Research-Bilder zum Einkaufsverhalten im Elektrofachhandel fällt etwas auf:
Nicht ihr Alter – sondern wie weit entfernt sie sich anfühlen. Vor rund zehn Jahren war der stationäre Handel ein Ort für Orientierung. Inspiration und Information waren klare Stärken gegenüber dem E-Commerce. Heute wirkt der Besuch vieler Flächen ernüchternd. Wenig Kontext, wenig Führung, wenig Erlebnis.
Packaging und Warenpräsentation spielen dabei eine größere Rolle, als es auf den ersten Blick scheint.

Verpackungen ohne Journey-Update

Die Customer Journey hat sich verändert. Die Verpackungslogik bei Unterhaltungs- und Haushaltsgeräten hingegen kaum. Noch immer dominieren bekannte Muster:
Produkt als Hero, kleines Markenfeld, eine dichte Fläche aus Features, Farbcodes, Produkt- und Lifestylebildern. Viel Information und wenig Orientierung.
Apple gilt weiterhin als Referenz. Viele Marken haben versucht, sich dieser Logik anzunähern. Was bislang fehlt, ist eine eigenständige Antwort auf eine veränderte Nutzungssituation.

Optimieren statt neu denken

Philips ist ein gutes Beispiel für diese Haltung. Packaging und Information Design waren lange präzise und zeitgemäß. Auch heute ist die Gestaltung sichtbar optimiert – etwa im Sinne von Design for Recycling. Die visuelle Grundlogik bleibt jedoch unverändert. Nachhaltigkeit wird integriert, die Journey jedoch nicht neu interpretiert.

AEG: ein bewusster Schnitt

Anders AEG. Das von BVD entwickelte Packaging bricht bewusst mit gelernten Konventionen der Kategorie. Statt Produktbildern treten geschnittene, schwarze Silhouetten auf unbehandelter Wellpappe. Eine Gestaltung, die reduziert – und gerade dadurch Aufmerksamkeit erzeugt.

Nicht laut, nicht erklärend. Sondern klar.

Marke vor Merkmalsliste

Beim AEG-Packaging steht die Marke im Zentrum. Der rote Schriftzug wird zum dominanten Anker. Informationen werden modular gelöst – über Aufkleber oder digitale Ebenen. Das Ergebnis ist kein Verzicht, sondern eine Verschiebung der Prioritäten: Marke vor Feature-Inflation.

Nachhaltigkeit als Systemlogik

Unbeschichteter Karton, vollständig recycelbar. Deutlich reduzierte Druckfarben. Nachhaltigkeit wird hier nicht kommuniziert, sondern strukturell umgesetzt. Nicht als Zusatz, sondern als Teil des Systems.

Wirkung im Regal

In der visuellen Dichte der Elektroabteilungen wirkt das AEG-Packaging wie ein ruhiger Gegenpol. Es unterbricht gewohnte Sehgewohnheiten und setzt einen klaren Markenanker. Dass dieses Projekt unter anderem mit einem D&AD Award ausgezeichnet wurde, ist folgerichtig.

Ein Gedanke zum Schluss

Der Elektrofachhandel steht vor einer Entscheidung: weiter optimieren oder neu denken. Das AEG-Packaging zeigt, welches Potenzial entsteht, wenn Verpackung nicht länger Informationsfläche ist, sondern Markenhaltung sichtbar macht. Nicht mehr. Sondern klarer.