
Ist eckig das neue rund?
Wenn von nachhaltigen Verpackungen die Rede ist, stehen meist Materialfragen im Vordergrund: weniger Kunststoff, mehr Rezyklat, dünnere Wandstärken. Das ist sinnvoll – greift aber zu kurz.
Ein weiteres, oft unterschätztes Optimierungspotenzial liegt in der Form der Verpackung.

Die Logik runder Verpackungen
Über Jahrzehnte hinweg war die Verpackungswelt überwiegend rund. Zylindrische Formen sind das Ergebnis von Tradition, technischer Machbarkeit und Effizienz in Herstellung und Abfüllung. Sie lassen sich gut produzieren, sind stabil und bewährt.
Diese Logik prägt viele Kategorien bis heute.
Ein stiller Wandel
Gleichzeitig ist zu beobachten, dass immer mehr Unternehmen von runden auf eckige oder rechteckige Formateumstellen.
Besonders bei Massenprodukten – etwa in den Bereichen Gewürze, Getränke, Spirituosen oder Kosmetik.
Der Grund liegt weniger in der Ästhetik als in der Platzeffizienz.
Was auf den ersten Blick unspektakulär wirkt, hat weitreichende Auswirkungen auf Kosten, Logistik und CO₂-Bilanz.

Platzeffizienz als Hebel
Eckige Verpackungen lassen sich stabiler stapeln und dichter anordnen. Sie reduzieren sogenanntes totes Volumen – auf der Palette, im LKW, im Lager und am Point of Sale.
Konkret bedeutet das:
mehr Produkte pro Palette, mehr Ware pro Transport, weniger Fahrten.
Auch im Regal und im privaten Umfeld – im Kühlschrank oder Vorratsschrank – zahlt sich diese Logik aus.
Früh mitgedacht, später profitiert
Vor allem jüngere Marken, aber auch einige etablierte Unternehmen, berücksichtigen diese Effekte bereits in der frühen Entwicklungsphase.Die Vorteile zeigen sich nicht sofort im Produktdesign, sondern im gesamten System dahinter.
Die Kehrseite
Der Umstieg auf eckige Verpackungen ist jedoch kein Selbstläufer. Die Produktion ist häufig komplexer und stellt höhere Anforderungen an Technik und Prozesse.
Bei Glas kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Eckige Formen benötigen in der Regel eine größere Wandstärke, um stabil zu bleiben. Das erhöht zunächst den Materialeinsatz. Im Gesamtkontext relativiert sich dieser Nachteil jedoch oft durch die Einsparungen entlang der Logistikkette.
Mehr als Formfrage
Verpackungen müssen heute mehr leisten als gut auszusehen oder funktional zu sein. Nachhaltigkeit ist zu einem gleichwertigen Entscheidungsfaktor geworden, neben Kosten, Machbarkeit und Markenwirkung.
Das erfordert ein ganzheitliches Denken von Beginn an. Und die Bereitschaft, etablierte Standards zu hinterfragen.
Nicht jede runde Verpackung sollte eckig werden. Aber jede Formentscheidung sollte bewusst getroffen werden, mit Blick auf das gesamte System.






