
Gefrorene Schokofrüchte: Neue Marke oder neue Kategorie?
Oder Produkte für einen TikTok-Trend, der schnell wieder verschwindet?
Im FMCG ist Innovation häufig eine Frage der Variation: neue Geschmacksrichtungen, zusätzliche Funktionen, andere Anlässe oder Nutzungssituationen. Das ist sinnvoll – und trägt dazu bei, bestehende Kategorien im Volumen oder im Wert wachsen zu lassen.
Seltener entsteht Innovation durch Kollision.
Also dann, wenn sich Kategorien nicht weiter ausdifferenzieren, sondern bewusst miteinander verschränken.
Genau das lässt sich aktuell im Tiefkühlbereich beobachten.

Der Beginn einer neuen Kategorie
Mit Marken wie Schofrulade (Oswald’s Obst- & Gemüseservice), Trü Frü (Mars) oder Franuí entsteht ein neues Angebot zwischen bekannten Märkten:
in Schokolade getauchte, tiefgekühlte Früchte.
Der Impuls kam dabei nicht aus der klassischen Produktentwicklung, sondern von Konsument:innen selbst. Social Media – insbesondere TikTok – fungierte als Katalysator. Der Handel reagierte schnell: Innerhalb weniger Monate waren bei REWE, EDEKA, Lidl & Co. zahlreiche SKUs im Regal.

Warum diese Innovation trägt
Social Media als Ursprung
Der Trend begann nicht im Labor, sondern im Feed.„Dipped frozen fruits ASMR“ erzielte Millionen Views. Von viraler Aufmerksamkeit bis zur Listung vergingen teils nur drei bis sechs Monate. Produkt und Plattform greifen hier unmittelbar ineinander.
Genuss mit Legitimation
Ein zentrales Motiv im aktuellen Konsumverhalten: Genuss, der sich nicht falsch anfühlt. Frucht steht für Natürlichkeit, Schokolade für Belohnung, Kälte für ein eigenständiges sensorisches Erlebnis. Das Ergebnis ist kein Verzicht, sondern eine neue Balance.
Positionierung zwischen großen Märkten
Die Produkte bewegen sich zwischen Süßwaren, Eis und Tiefkühlobst – ohne sich eindeutig einer Kategorie zuordnen zu lassen. Genau darin liegt ihr Potenzial.
Der Wettbewerb ist vorhanden, aber nicht deckungsgleich:
Eiskonfekt ist nostalgisch, klassische Eisformate adressieren andere Nutzungssituationen, TK-Früchte bleiben funktional.

Hohe Anschlussfähigkeit
Die Nutzungsmotive reichen von Snacking und Dessert über Sharing und Me-Time bis hin zu Social-Media-tauglichen Genussmomenten.
Privat wie öffentlich, spontan wie geplant. Mehr als ein kurzfristiger Trend – zumindest im Nutzungspotenzial.
Und das Packaging?
Die Kategorie ist jung, und das zeigt sich im Regal:
- keine etablierte Designsprache
- keine klare Packungsform
- starke Anleihen bei Eis- und Süßwaren
- Markenauftritte oft noch ohne ausgeprägte Identität
Aktuell entsteht nicht nur Marke, sondern die Kategorie selbst.
Für Packaging Design eröffnet das ein seltenes Fenster: Gestaltung mit Reichweite und Alltagstauglichkeit – bevor sich Standards verfestigen.
Offene Fragen
Wird sich diese Kategorie langfristig etablieren? Welche Marke schafft den Übergang vom Trend zur Referenz? Und wer gelingt es, nicht nur mitzuwachsen, sondern die Kategorie aktiv zu prägen?
Denn wo sich ein Fenster schnell öffnet, schließt es sich meist ebenso schnell.
