
Kulturclash oder neuer Trend
Ein Blick ins Getränkeregal zeigt eine Verschiebung: Weinschorle in der 0,33-Liter-Glas-Mehrwegflasche.
Was auf den ersten Blick wie eine kleine Abweichung wirkt, deutet auf einen größeren Wandel hin. Dort, wo Ready-to-drink-Formate lange von Dosen geprägt waren, rückt Mehrweg zunehmend in den Fokus.
Eine kurze Recherche bestätigt den Eindruck: Die Zahl entsprechender Anbieter wächst.
Regulatorischer Rahmen als Treiber
Mit der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) setzt die EU klare Signale: mehr Mehrweg, weniger Einweg. Für Marken bedeutet das, bestehende Verpackungskonzepte zu überdenken. Für Konsument:innen, sich an neue – oder wieder vertraute – Formate zu gewöhnen.
Die Glas-Mehrwegflasche ist dabei mehr als eine technische Alternative. Sie verändert Wahrnehmung, Positionierung und in manchen Fällen ganze Kategorien.

Vom Lifestyle-Format zur Verantwortungslogik
Weinschorle in der Dose stand lange für unkomplizierten, urbanen Genuss. Die Standard-Mehrwegflasche hingegen war eher mit klassischen Biermischgetränken oder Limonaden besetzt. Diese Zuordnung beginnt sich zu verschieben. Was bislang als modernes Partyformat galt, wird zunehmend durch ein anderes Narrativ ergänzt:
Verantwortung, Wiederverwendung, Systemlogik. Die Glasflasche wird damit nicht nostalgisch, sondern neu gelesen.


Warum Mehrweg an Bedeutung gewinnt
Die Vorteile der Standard-Mehrwegflasche liegen auf mehreren Ebenen:
- CO₂-Bilanz: Bei hoher Umlaufzahl schneidet Glas-Mehrweg deutlich besser ab.
- Infrastruktur: Pfandsysteme sind in Deutschland etabliert und akzeptiert.
- Wahrnehmung: Glas wird häufig mit Wertigkeit und Qualität assoziiert.
- Regulatorik: Der frühzeitige Umstieg schafft Planungssicherheit im Hinblick auf die PPWR.
Mehrweg wird damit nicht nur zur Pflicht, sondern zur strategischen Option.

Neue Perspektiven für bestehende Märkte
Gerade für den Weinmarkt eröffnet diese Entwicklung zusätzliche Spielräume. Sinkende Erträge, verändertes Konsumverhalten und der wachsende Markt für alkoholfreie oder leichtere Getränke erfordern neue Ansätze. Weinschorlen in der 0,33-Liter-Mehrwegflasche könnten hier ein Bindeglied sein: zwischen Genuss, Alltagstauglichkeit und nachhaltiger Verpackungslogik.

Einordnung
Die Rückkehr der Glas-Mehrwegflasche im Ready-to-drink-Segment ist kein reiner Kulturclash. Sie ist Ausdruck eines Strukturwandels, in dem Verpackung, Regulierung und Markenpositionierung enger zusammenrücken.
Nicht jede Kategorie wird diesen Weg gehen. Aber dort, wo Mehrweg funktioniert, verändert es mehr als nur das Gebinde.
